Theory & Foundation / Anforderungen sind viral

Anforderungen sind viral

Virale Anforderungen – was ist gemeint?

Beschäftigt man sich mit Anforderungen, dehnen sich diese aus wie ein Hefeteig:

  • Details werden sichtbar

  • Neue Wünsche kommen auf

  • Probleme müssen gelöst werden

  • Abhängigkeiten treten zutage

     

Das alles erzeugt neue Anforderungen

➩ Weitere Workshops sind nötig.

➩ Der Scope wird vergrößert.

➩ Der Scope wird klarer.

Chancen – positive Konsequenzen

Geht man bewusst mit der Eigenschaft um, dass sich Anforderungen auch „Schritt für Schritt” zeigen werden, wird klar, dass In der Anforderungsanalyse weder alle Anforderungen ermittelt noch alle Details der Anforderungen definiert sein müssen.

Es reicht aus, Ziele und Key Anforderung, die den Scope grundsätzlich definieren, um die Grenzen abzustecken. Bleibt man auf den entsprechenden Ebenen immer in etwa auf der gleichen Detailebene, wie z.B. auf

  • Programm-Ebene,

  • Season-Ebene,

  • Sprint-Ebene,

  • Ticket-Ebene,

so breiten sich durch das iterative Vorgehen und den viralen Effekt die Anforderungen auf jeder nächsten Ebene weiter aus und vervollständigen auf dieser Ebene das jeweilige Detailbild. Wichtig ist, diese Detailtiefe nicht auf die oberen Ebenen „hochzuziehen“.

Risiken – negative Konsequenzen

Häufig ist dies ein schleichender Prozess, denn wird der Zuwachs an Anforderungen nicht kanalisiert und bewertet (z.B. auf den Nutzen), so kommt es zur unkontrollierten „Explosion” von Anforderungen.

    • Die Owner oder die Teilnehmer lassen sich von der Aufgabenstellung treiben.

    • Der Appetitt kommt beim Essen.

    • Keiner traut sich zu sagen: „Jetzt sind wir fertig, so ist es gut, und das lassen wir weg.”

    • Das Team folgt den neuen Aufgaben.

    • Die Tickets im Sprint werden nicht abgearbeitet.

    • Das Team verliert den Focus, wird ineffizient und ineffektiv.

    • Folge-Tickets, Folge-Workshops werden geplant.

     

Gesamtrisiko

Das Vorhaben wird unkontrollierbar. Es entsteht eine Zeit- und Kostensteigerung bis dahin, dass das Vorhaben ohne Ergebnis abgebrochen werden muss, da aufgrund der Anforderungsexplosion ein Reset bzw. Neuanfang unumgänglich ist, weil ein „Aufräumen” nicht mehr möglich erscheint.

Lösung

Die Lösung ist nicht als hart, sondern eher als weiche Leitplanke zu verstehen. Denn zum einen bietet die Viralität der Anforderungen auch Chancen, zu herausragenden neuen Ideen zu kommen, auf der anderen Seite aber auch das große Risiko, dass die Anforderungen einen „point of no return“ überschreiten und die weitere Ausbreitung nicht mehr zu kontrollieren ist.

Aus diesem Grund sind folgende Handlungsempfehlungen entstanden:

    • Sensibel auf „Folge-Tickets” und “Folge-Termine” reagieren
      Hier könnten neue Anforderungen „versteckt” sein.

    • 80 % = DONE beherzigen
      Fertig ist besser als perfekt. Somit bei 80 % erst einmal enden und kritisch hinterfragen, was wirklich noch fehlt. Keinen neuen Kreativraum zulassen.

    • Fraktale Theorie berücksichtigen
      Anforderungen im Detail nicht auf allen Ebenen und zu allen Zeitpunkten entstehen lassen.

    • Moving Targets minimieren
      Insbesondere sind auch Moving Targets aus der Führungsebene ein häufiger Auslöser für neue Anforderungen. Somit den Verursacher des Moving Target kanalisieren und beispielsweise Moving Targets nur zu Sprint oder Season Plannings zulassen.

    • Immer dokumentieren
      Anforderungen entstehen auch häufig verdeckt, fressen Kapazitäten auf und verändern den Fokus. Immer neue Tickets für entstandene Anforderungen erstellen und priorisieren.