Guidelines / Dezentralisierte Entscheidungen 

Dezentralisiere Entscheidungen

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Warum dezentrale Entscheidungen sinnvoll sind
Warum ist das Dezentralisieren von Entscheidungen nicht so einfach?
Eine Kultur schaffen “Fehler machen zu dürfen”
Lernkultur: “Aus jedem Fehler lernen”
Immer mehr dezentrale Entscheidungen - Der Schwarm schwimmt los

Warum dezentrale Entscheidungen sinnvoll sind

Die weitestgehende Dezentralisierung von Entscheidungen kann viele Vorteile haben.

Im Kern ermöglicht sie aber dem Unternehmen, schneller und effektiver auf Veränderungen zu reagieren. Dies liegt vor allem daran, dass die Teams und Mitarbeiter in der Regel näher am Themenfeld, dem Problem oder dem Kundenbedürfnis sind und damit eigentlich für die meisten zu treffenden Entscheidungen fähig sind.

Es ist also absolut sinnvoll in komplexen und dynamischen Rahmenbedingungen, in denen auch FAST sich bewegt, die Entscheidungen weitestmöglich zu dezentralisieren und die Verantwortung für Entscheidungen den Teams zu übertragen.

Warum ist das Dezentralisieren von Entscheidungen nicht so einfach?

Es ist jedoch wichtig, auch die Voraussetzungen und die Rahmenbedingungen zu schaffen. Denn Entscheidungen haben in der Regel Konsequenzen. Sie können zeitlicher Natur, in Form von Geld oder auch auf personeller Ebene sein. Und das bedeutet, dass Entscheidungen auch Fehlentscheidungen sein können. Und hier gilt es dann, auch die Folgen/Konsequenzen für eine Entscheidung zu tragen.

Und genau hier sind die „klassischen“ Unternehmen mit ihren Hierarchien und auch überwiegend die Mitarbeiter anders konditioniert. Entscheidungen werden je nach Bedeutung in höherer Ebene getroffen.

Dies war bis vor wenigen Jahren in einer deutlich langsameren und deutlich weniger komplexen Unternehmenswelt und auch zeitlich mit mehreren Entscheidungsrunden, tiefgehenden Voruntersuchungen etc. alles noch sinnvoll möglich.

Nun befinden wir uns jedoch in einer Welt, die nahezu täglich komplexer und schneller wird. Auf der einen Seite stehen uns immer mehr Daten und Informationen zur Verfügung für fundierte Entscheidungen, auf der anderen Seite führt dieser „Informationsüberfluss“ dazu, dass einzelne Personen (Führungskraft) oftmals nicht mehr über die Fähigkeit verfügen, alles zu überblicken.

In unserer heutigen Welt geht es aber nicht mehr darum, nur „richtige“ Entscheidungen zu treffen, sondern vielmehr möglichst viele, und davon möglichst deutlich mehr richtige als falsche Entscheidungen.

Dies bedeutet aber einen vollkommenen Mindset Change zur bisherigen klassischen Denk- und Arbeitsweise von Organisationen.

Ein erster Schritt in diese Richtung ist, Entscheidungen vermehrt von mehreren Personen oder Teams gemeinsam treffen (Schwarm) zu lassen. Auch um mit vielen Köpfen möglichst viele Aspekte einer Entscheidung abzuwägen (Schwarmintelligenz) und damit zum richtigen Zeitpunkt die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Trotzdem immer noch mit dem Risiko einer Fehlentscheidung.

Warum ist eine möglichst verlässliche Sprint-Planung bedeutsam?

Als wichtigste Voraussetzung, um überhaupt zur Fähigkeit für dezentrale Entscheidungen zu kommen, ist es, die Kultur des Bereichs oder am besten des gesamten Unternehmens darauf auszurichten, dass Fehlentscheidungen zur Entscheidungsfindung dazugehören.

Einfacher gesagt als getan. Dies ist ein Change, der einige Zeit dauert und auf verschiedenen Ebenen vollzogen wird. In FAST wirken hier zum einen der Core Value „Transparency“. Denn auch Fehlentscheidungen sollten transparent gemacht werden, egal auf welcher Ebene sie passiert sind, damit die Organisation daraus lernen kann.

Zum anderen geht es darum, die „Entscheidungskompetenz“ von oben nach unten zu verlagern. Dies funktioniert bei Entscheidungen nicht wie bei Aufgaben durch Delegieren, sondern vielmehr durch Vormachen der Führungskräfte und Teilen der Kompetenzen und Erfahrungen. Dies wird in FAST vor allem im „Agile Leaderschip“ durch beispielsweise „Leading by example“ und „Make fast decisions“ aufgegriffen.

Auf diese Weise werden die Teams und Mitarbeiter immer mehr befähigt und auch ermutigt, eigene Entscheidungen zu treffen.

Wie löst man das Spannungsfeld der Sprint-Überplanung? 

Ein Zitat von Ikea Gründer Ingvar Kamprad lautet: „Das Wertvollste an IKEA sind die Fehler, die wir über die Jahrzehnte gemacht und was wir daraus gelernt haben! Dieses Wissen kann uns niemand nehmen!“

Es geht, wie oben schon beschrieben, also nicht darum, nur richtige Entscheidungen zu treffen, sondern möglichst wenige falsche Entscheidungen. Das Pareto-Prinzip ist hier auch ein guter Ansatz, um zu guten Entscheidungen zu kommen. Denn die letzten 20 % Fakten für eine möglichst 100%ige Absicherung der Entscheidung bedeuten in der Regel so viel Zeitverlust (und das ist heute die deutliche wertvollere Währung als Geld oder Aufwand), dass die Entscheidung schon wieder obsolet geworden ist.

Wichtig ist, aus jedem Fehler zu lernen, und wenn möglich, diesen nicht mehrfach zu machen. Hierzu bieten sich diverse agile Methodenansätze an, sei es das Review von Ergebnissen oder die Retrospektive für die Betrachtung, wie wir zum Ergebnis gekommen sind.

Durch diese Handlungsweise wird sich nahezu ganz automatisch eine Reduzierung von Fehlentscheidungen einstellen, da das Wissen um gute Entscheidungen und den Umgang mit Fehlern immer mehr in die Teams wandert.

Warum ist das Dezentralisieren von Entscheidungen nicht so einfach?

In Folge, wenn die Führungskräfte auch immer mehr „Entscheidungen“ zulassen, werden die Teams kompetenter in ihren Entscheidungen, lernen aus ihren Fehlern und treffen in Folge immer mehr hoffentlich „gute“ Entscheidungen. Dies führt ganz logisch dazu, dass mehr Entscheidungen getroffen werden können, womit sich die Geschwindigkeit von Entscheidungen erhöht und damit auch die Umsetzung von Vorhaben und Projekten.

Nachfolgend noch einmal im Überblick, wo dezentrale Entscheidungen im Unternehmen ihre Wirkung entfalten können:

  • Effektivität: Dezentrale Entscheidungen können die Effektivität des Unternehmens erhöhen. Wenn Entscheidungen von denjenigen getroffen werden, die am besten informiert und am nächsten an den Kunden oder dem Problem sind, können sie schneller und effektiver getroffen werden.

  • Flexibilität: Dezentrale Entscheidungen ermöglichen es dem Unternehmen, flexibler und schneller auf Veränderungen zu reagieren. Wenn Entscheidungen von einer zentralen Stelle (Hierarchie) getroffen werden, kann dies zu Verzögerungen und oftmals auch zu nicht zielführenden Entscheidungen führen. Dezentrale Entscheidungen ermöglichen es den Mitarbeitern, schnell und flexibel auf Veränderungen zu reagieren.

  • Motivation: Dezentrale Entscheidungen können die Motivation der Mitarbeiter erhöhen. Wenn Mitarbeiter in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen, fühlen sie sich wertgeschätzt und motiviert, sich für das Unternehmen einzusetzen.

  • Kundenorientierung: Dezentrale Entscheidungen ermöglichen es dem Unternehmen, sich auf die Bedürfnisse der Kunden zu konzentrieren. Wenn Entscheidungen von Mitarbeitern getroffen werden, die am nächsten an den Kunden sind, werden sie tendenziell eher Entscheidungen treffen, die auf die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden zugeschnitten sind.

  • Innovation: Dezentrale Entscheidungen können Innovationen fördern. Wenn Mitarbeiter in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen und dafür auch die Verantwortung zu übernehmen, sind sie auch eher in der Lage, innovative Lösungen für Probleme zu finden und neue Ideen zu entwickeln, als wenn diese immer über zentrale Entscheidungswege gehen.